181 Tage ab jetzt

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Friedrich Borries, Architekt, Kurator, Designtheoretiker und Schriftsteller hat eine Ausschreibung initiiert - Schule der Folgenlosigkeit - Übungen für ein anderes Leben - Stipendium für Nichtstun. Inspirierend. Wir haben uns beworben, was daraus wird, wer weiß.

 

Wir machen auf jeden Fall mit. 181 Tage, ab heute, wird unser Haushalt nicht erweitert. Wir, das sind Corinna und ich.

 

Was bedeutet 181 Tage konkret. Die Tasche, die ich kaufen wollte, wird nicht gekauft. Mein Tablet ist lahm, es bleibt aber mein Tablet und es bleibt lahm. Kein neues kommt ins Haus. Geht etwas zu Bruch kann es repariert werden. Erbschaften, Geld, und ein Herzensprojekt, das jederzeit über uns herfallen kann, bleibt von der Aktion unangetastet. Geschenke des Universums dürfen angenommen werden. Geschenke für andere dürfen jederzeit gekauft werden. Also genau gesagt, ist es nicht Nichtstun im Allgemeinen, sondern nicht alles tun. Wir verlagern unser Tun ein wenig.

 

Ich bin Künstler und Gerne Käufer. Amazon Junkie. Ich werde keine neue Leinwand (ich habe noch circa 10 Stück) und keine Pigmente mehr kaufen, 181 Tage. Nur noch leben mit dem was ich, was wir haben oder was übrigbleibt und was wir geschenkt bekommen. Was wird dann wohl aus meiner Kunst? 

 

Corinna meint, und damit hat sie vermutlich recht sie konsumiere deutlich weniger als ich.

 

 

Momentan sind wir beide rundherum glücklich.   Ist unser Glück abhängig von der Möglichkeit jederzeit mehr zu besitzen, etwas kaufen zu können? Wir sind der festen Überzeugung nein!.

 

 

Wir werden versuchen jeden Tag ein kleines Video zu unserem Experiment zu drehen.  

 

 

 

Tag 14 4.9.2020

Sicher wird der ein oder andere denken, groß angekündigt!! Dann einfach nichts gemacht. Wohl wieder einkaufen gegangen. NE, isnichso. Ich, wir, waren in Urlaub. Wollte erst posten, habe es dann aber gelassen. Gelassen ist sowieso das Thema. War sehr gelassen. Vor dem Urlaub ging noch pünktlich die Waschmaschine kaputt und in der Heizung stand Wasser, jetzt nicht kniehoch aber doch bodendeckend. Ist egal. Hab ich noch vor der Abfahrt auf die Reihe gebracht. Urlaub, war dann hier in Deutschland, wegen COVID, dabei kenn ich den gar nicht. Aber seis drum. Also Innerlands gereist. Alles mit der Bahn. Corinna war überzeugt das geht. Ich auch, mit Einschränkungen. Abfahrt, die war gut. Noch kurz das Auto zum Nachlackieren gebracht und dann mit Bus. Erst mal nach Sigmaringen, Luftlinie so um die 35 km. War gut, ohne Probleme. Dann in den Zug. Neigezug. Durchs Donautal. War mir klar, der wackelt, nicht rhythmisch, eher so spontangewackele. Zu der Zeit wars noch warm, Außentemperatur so um die 26 Grad, im Zug dann um die 30. Ich habe so ein blaues Auto, das heizt auch Sommers. Von diesem Blickwinkel aus gesehen war alles wie immer, ziemlich warm, laut und wackelig. Sag noch einer die Bahn stellt sich nicht auf dich ein. Aber bis nach Stuttgart ging es gut, ohne Panne, ich weiß auch nicht ob der ADAC bei Bahn kommt. Hab ich im Auto auf jeden Fall immer dabei.

 

Ich bin Panikpacker. Will heißen das der neu, vor der Aktion 181 Tage bestellte, wunderschön gelbe Koffer bis über das erträgliche Maß angefüllt war mit dem was ich in einer Woche so benutzen wollte. Elektronisches Equipment, Kleidung aller Art, so kleineres dies und das. Den gelben Koffer kann man auf dem Rücken tragen oder rollen. Im Nachgang betrachtet ist das mit dem auf dem Rücken eher so eine fixe Idee und nicht sinnstiftend. Rollen geht gut, wenn da nicht die rollenblockierenden Tragegurte wären für den Rückentransport. Ich sollte das Konzept nochmal überdenken. In Stuttgart dann Wilhelma geschaut. Kann ich jedem nur empfehlen. Obwohl die Tierwelt sich meist den Blicken des Betrachters entzieht ist der Park mit seiner pflanzlichen Fülle und den zauberhaften Bauten in welchen einst Könige wandelten einfach sehenswert. (Der Umfang meines Koffers machte die Unterbringung im Schließfach etwas schwierig und ich war mir nicht sicher ob ich ihn schadlos aus der Herberge seines Seins, eben dem Schließfach auch wieder herausbekomme).

 

Ich bekam, heraus. Dann weiter mit dem Bus zu Freunden in der Nähe von Stuttgart, Dörfliche Idylle inmitten der Großstadt, liebe Menschen die uns einen wunderschönen Abend bereitet haben. Die Unterbringung war sowas wie ein Exkurs in die Architektur der 80er Jahre. Stil rein präsentierte sich Fremdenzimmer inkl. Bad farbig in braunbeige gehaltenen Tönen. Dunkles Holz dominierte den Gesamteindruck der Ausstattung, feinstes Furnier auf hölzernem Span, wohin das Auge blickt. Aber, sauber und ein durchaus schätzenswertes mitteleuropäisches Frühstück erwarten den Reisenden und das alles in Schwaben. Was will man mehr.

 

 

Ach ja zum Einkaufen. Bislang immer noch keine wirklichen Schmerzen. Wenngleich ein Einkaufsbummel, im Sinne von Anschauen irgendwie keinen Sinn ergibt. Man, oder in dem Fall Frau sieht schon sehr farbige und körperumschmeichelnde Kleidungsstücke, aber es stellt sich nicht die Frage, sind 650 Euro angemessen. Gut hätte sich eh nicht gestellt. Aber so noch weniger. Mittlerweile achte ich sehr auf meine Dinge. Weil, sollen noch ein wenig halten. Verlieren ist auch keine wirkliche Option, fällt nicht unter Verbrauch. Also immer schön gelassen bleiben.